Literatur Tips


Jetzt wurde bestätigt, was von vielen NatelbenutzerInnen schon seit einiger Zeit befürchtet wurde, wenn auch nicht in so krasser Form: Rund um die Uhr beschattet ein geheimer Swisscom-Rechner unbescholtene Natel-Benützer. Bei Bedarf greifen Ermittler auf die gesammelten Daten zurück. "Illegal", sagt der Datenschützer.
Was die Sonntagszeitung recherchiert hat, ahnte Beat Leuthardt in seinem Buch "Leben online" bereits Monate früher und auch unser Kolumnist überlegte sich nach der Lektüre anfangs November den Verkauf seines Handys ...

... wenn Sie plötzlich 50 Millionen
geklaut haben sollen ...

Der Millionencoup: Ein Postbüro in Zürich wird um rund 50 Millionen Franken erleichtert. Die Polizei handelt schnell und findet den ersten Unterschlupf der TäterInnen - ein Mehrfamilienhaus in Bülach. Wie haben die das Haus gefunden? Nach der Lektüre des Buches von Beat Leuthard sind Alpträume möglich ...

Stellen Sie sich vor: Kurz vor dem Zeitpunkt des gigantischen Postraubes nehmen Sie im Kaffee, das gegenüber der überfallenen Post liegt - die Räuber haben sich dort getroffen - einen Espresso zu sich und - wie immer, die Lust auf eine Zigarette überkommt Sie. Was tun? Sie fragen kurzerhand den Typen neben Ihnen: "Häsch`mer nöd ...".

Dummerweise ist der Typ nebenan einer der Posträuber und noch dummerweise wird er von einem Angestellten des Staatsschutzes beobachtet. Denn die haben für den Postraub bereits einige Leute im Visier ... Wie sonst kann nach nur wenigen Tagen bereits eine Festnahme in der Presse gemeldet werden?

Da Sie am abend zuvor ziemlich viel gesoffen haben und deshalb nicht eben frisch aussehen, ist für den Beamten der Fall klar: Sie sind ein Komplize (3-Tage-Bart!). Der Beobachter verfolgt Sie bis zum Bahnof und notiert: Schnellzug um 1513, Gleis 11, nach Bülach. Kurz bevor Sie in den Zug einsteigen, sieht er Sie mit einem Natel telefonieren ...

Ein Anruf bei der Mobilfunkbetreiberin genügt, um sämtliche Abonnenten auszufiltern, deren Natels überdurchschnittlich lange in der Zelle Bülach eingebucht sind. Alle diese Personen werden von MitarbeiterInnen des Staatsschutzes aufgesucht - doch nur einer entspricht dem versifften Bild, das der fleissige Beamte im Kaffee auf Polaroid gebannt hat: Der 3-Tage-Bart!

Und schon sitzen Sie in U-Haft, denn Sie haben im Kaffee Mohammed Sansalabar (alias Moritz Hüttenmoser) eine Zigi abgeschwatzt, selbst wie ein Verbrecher ausgesehen und Ihr Natel hat Dank der Chipkarte eindeutig Ihren präferenzierten Standort - Bülach - verraten.

Und nun: Reden Sie sich raus!

Vielleicht hilft Ihnen "Leben online" von Beat Leuthardt ... Wenn nicht: Gute Alpträume!

 

Leben online

Rowohlt 1996
ISBN 3-499-13765-8
sFr 14.90

Wenn Sie die Datenschutz-Problematik interessiert, empfiehlt sich ein Besuch auf der Site des Datenschutzbeauftragten des Kanton Zürichs!

 


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erstellt 06-11-96/otter - nachgeführt 07-10-04/

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