Literatur Tips


Joseph O'Connor: Cowboy und Indianer

Spätestens seit der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist Irland nicht nur wegen des schwarzen Bieres ein Thema. Das Land bietet Literatur vom feinsten - und die hört längst nicht bei Joyce auf!

Zum Beispiel Joseph O'Connor, der Bruder der kämpferischen Bardin Sinead mit dem Glatzkopf. Die Hauptperson im Buch "Cowboy und Indianer" ist Eddie Virago, der auf einem Schiff nach London ist, um dort als Rockstar Karriere zu machen. "Eddie zitterte wie ein kleiner Hund, der Rasierklingen scheisst. Sein mega-elender Kater schien sein Gehirn und seinen Magen in Spaghetti zu verwandeln. Nichts hatte noch irgendeine Realität, und alles kam ihm echt verzerrt vor, alles wie unter Wasser. Seine Finger zitterten, als er an der Zigarette zog. Eddie fühlte sich wie die wandelnde Innenstadt von Beirut."

Die ersten paar Seiten des Buches kommen mit einer Wortfülle daher, die einem Vorschlaghammer gleichen. So geht's dann fast vierhundert Seiten weiter und die Geschichte touchiert direkt oder nebenbei so beinahe jedes Thema der menschlichen Existenz: Liebe, Tod, Schuld, Verrat, Vergänglichkeit, Glück, Moral, Einsamkeit. Und was O'Connor ebenfalls am Herzen liegt - hier gleicht er am meisten seiner Schwester - ist die Tragödie von Nordirland. Ist das Buch grösstenteils witzig: Bei diesem traurigen Thema wird's bitterernst.

Buchcover Joseph O'Connor

Rowohlt 1996
ISBN 3-49913770-4
sFr 14.90

 


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erstellt 16-11-96/otter - nachgeführt 07-10-04/

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