"Der Trinker" ist Hans Falladas
letztes Buch. Mit besessener Akribie schildert der Autor den
Abstieg des erfolgreichen Kaufmannes Erwin Sommer: "Ich habe
natürlich nicht immer getrunken, es ist sogar nicht sehr
lange her, dass ich mit Trinken angefangen habe. Früher
ekelte ich mich vor Alkohol; allenfalls trank ich mal ein Glas
Bier; Wein schmeckte mir sauer, und der Geruch von Schnaps machte
mich krank."
Plötzlich kommt die Zeit schlecht gehender Geschäfte
und privater Uneinigkeiten mit der Ehefrau und schon hat Herr
Sommer seinen ersten Absturz: Er kommt sturzbetrunken nach Hause
und wird ab nun den Suff nie mehr los.
Schritt für Schritt geht der Abstieg voran: Die Banken
künden ihre Kredite, ehemalige Geschäftspartner wenden
sich angeekelt von ihm ab und dubiose Betrüger ihm zu und
seine Frau will ihn entmündigen - das redet er sich
wenigstens ein.
Bald ist sein einziger Ort, wo er sich noch wohlfühlt, eine
Kneipe. Dort besäuft er sich jeden Tag mit Korn und Sherry,
kräftig unterstützt von der Barangestellten, die
für ihn zur "Königin des Alkohols" wird.
Ganz schnell ist der ehemalige Villenbesitzer am Boden und wird
in eine psychiatrische Anstalt zwangseingeliefert. Hier soll er
den Entzug durchstehen, gerät aber wegen der vielen
Insassen, die wirklich psychisch krank sind, in Gefahr, selber
durchzudrehen. Ganz gesund wird Sommer nie mehr.
Ein erschütternder Roman, der manchmal ein wenig übertrieben dick aufträgt (Erwin Sommer wird gar nichts erspart), sonst aber von der Thematik her, obwohl schon einige Jahrzehnte alt, nichts von seiner Aktualität eingebüsst hat.

Rowohlt 1995
ISBN 3-499-10333-8
sFr 9.90
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erstellt 02-07-96/otter - nachgeführt 07-10-04/
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