Happy blowing the trumpet Happy's Jazz Corner



Cool/West Coast Jazz

Über das Recycling von Modewörtern

Das saloppe Adjektiv "cool" (klein geschrieben) ist Älter als seine jungen Benützer glauben. Nur die Bedeutung hat sich geändert: Während man heute darunter so etwas wie "lässig" oder "besonders gut" versteht, war cool in den Fünfziger Jahren die Bezeichnung einer Attitude, einer Lebenshaltung.

Man konnte zum Beispiel einen Witz cool erzählen. Dazu brauchte es die Mimik eines Buster Keaton. Einer, der den gleichen Witz nicht cool erzählte, war derjenige der zuerst lachte und als Letzter aufhörte sich auf die Oberschenkel zu klopfen. Das Gegenteil von cool war, logischerweise, hot.

Cool, wenn gross geschrieben, wird zum Jazz-Stil. Mit der Entstehung des Cool Jazz an der amerikanischen Westküste waren dann erstmals auch im Jazz coole Intonationen zu hören.
Darunter ist die introvertierte Improvisation geschliffener Bop-Phrasen zu verstehen, die im Gegensatz zum klassischen Be-bop stand, dessen ausgelassene Spielweise eher extrovert war. Viele Zeitgenossen betrachteten diese "weisse" Weiterentwicklung des "schwarzen" Bop als herz- und seelenlos. Die Reaktion liess auch nicht lange auf sich warten und wurde bezeichnenderweise "Soul" getauft.
Trotzdem lieferte die Epoche des Cool Jazz und seiner West-Coast Exponenten (1950 - 1960) viele Höhepunkte der Arrangier- und Improvisierkunst. Das Arrangement war besonders wichtig. Grosse Namen, wie Shorty Rogers, Bill Holman, Gerry Mulligan und Marty Paich haben den Boden gelegt für grossartige Solisten wie Bud Shank, Bob Cooper, Art Pepper, Stan Getz, Chet Baker Frank Rossolino, Shelly Manne, Russ Freeman,Barney Kessel, Red Mitchell und viele andere.

Ein Pianist der Westküsten-Szene hat sogar vom weltberühmten Dirigenten des Boston Pops Orchestra Arthur Fiedler den Taktstock übernommen und ist uns allen bekannt als Komponist von Filmmusik in Kassenschlagern wie Close Encounters of the Third Kind, ET-The Extraterrestrial, Jurassic Park, Superman oder der Star Wars Trilogie: John Williams!

Cool Jazz CDs - Cream of the Best

Wenn Sie in diese wichtige Epoche des Jazz einsteigen wollen, so empfielt Ihnen Happy's Jazz Corner:

1. Chet Baker Quartet The Complete Pacific Jazz Studio Recordings of the Chet Baker Quartet with Russ Freeman (Mosaic MD3-122, Disc 1)  
Sample (QT, 100 kB) Russ Job Click here
Besetzung (1954) Chet Baker (tp) Russ Freeman (p) Carson Smith (b) Larry Bunker (ds)  

2. Clifford Brown All Stars Jazz Immortal (Pacific Jazz CDP7468502)  
Sample (QT, 112 kB) Joy Spring Click here
Besetzung (1954) Clifford Brown (tp) Stu Williamson (tb) Zoot Sims (ts) Bob Gordon (bs) Russ Freeman (p) Joe Mondragon (b) Shelly Manne (ds)  

3. Lennie Niehaus Quintet Vol. 3: The Octet (Contemporary OJCCD-1767-2)  
Sample (QT, 104 kB) Rose Room Click here
Besetzung 1955 Lennie Niehaus (as) Bill Holman (ts) Jimmy Guiffre (bs) Stu Williamson (tp) Bob Enevoldsen (tb) Pete Jolly (p) Monty Budwig (b) Shelly Manne (ds)  

4. Shorty Rogers & his Giants Short Stops (RCA 5917-2-RB)  
Sample (QT, 40 kB) Short Stop Click here
Besetzung (1953) Milt Bernhart (tb), John Graas (French horn) Gene Englund (tuba) Art Pepper (as) Jimmy Giuffre (ts) Hampton Hawes (p) Joe Mandragon (b) Russ Freeman (p) Shelly Manne (ds)  

5. Howard Rumsey's All Stars Lighthouse at Laguna Lighthouse (Contemporary OJCCD-406-2)  

6. Miles Davis Birth of the Cool (Capitol CDP 7928622)  
Sample (QT, 156 kB) Move Click here
Besetzung (1949) Miles Davis (tp, leader), Kai Winding (tb), Junior Collins (French horn) John Barber (tuba) Lee Konitz (as) Gerry Mulligan (bs) Al Haig (p), Joe Shulman (b) Max Roach (ds)  

7. Shelly Manne and his Men The West Coast Sound (Contemporary OJCCD-152-2)  

8. Art Pepper + Eleven Modern Jazz Classics (Contemporary MFCD805)  
Sample (QT, 128 kB) Opus de Funk Click here
Besetzung (1959) Art Pepper (as) Pete Candoli, Jack Sheldon (tp) Dick Nash (tb) Bob Enevoldsen (ts or valve tb) Vince De Rosa (French horn) Herb Geller (as) Bill Perkins (ts) Med Flory (bs) Russ Freeman (p) Joe Mondragon (b) Mel Lewis (ds)  

Das coole Harmonien-Ratespiel

Von den Bop-Pionieren eingeführt, wurde die Tradition der harmonischen Bearbeitung von den Musikern des Cool Jazz übernommen. Etwas vereinfacht bedeutet das, dass auf die, evtl. leicht veränderte Harmonienfolge eines "Standards", eine neue Melodie im Arrangement geschrieben wurde. Daraus lässt sich ein überaus spannendes und auch lehrreiches Spiel ableiten, das in der heutigen Popkultur seinesgleiche sucht: Das Erraten des Standard-Titels aus der Harmonienfolge.

Hier ein Beispiel.

Das Arrangement ist auf die Harmonien eines bekannten Standards gelegt.

Klicken Sie hier um das Beispiel zu hören: Ein Teil des Arrangements aus Vicky's Dream von Barney Kessel.

Um zu prüfen, ob Sie den Standard richtig erraten haben klicken Sie hier für die Original-Melodie.

Den Titel der Komposition von Jerome Kern erfahren Sie hier.

Versuchen Sie doch einmal selber in Ihrer Plattensammlung Standards aus Bop- und Cool Interpretationen herauszuhören. Am besten eignen sich dazu die Aufnahmen von Charlie Parker.

Vielleicht sehen Sie auch einmal meine Musikseite im TabooBreaker bei ZÜRiNFOan

 


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erstellt 21-01-97/fvo - nachgeführt 07-10-04/

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