Sechseläuten - das Zürcher Frühlingsfest
Das erste Sechs-Uhr-Läuten nach dem Winterhalbjahr bedeutete im Mittelalter Frühlingsbeginn und längere Tageshelle - ein Grund zur Freude für Meister und Gesellen. Später feierten die Zünfter diesen Tag mit einem festlichen Essen in ihren Zunftstuben, mit gegenseitigen Besuchen und Ansprachen. Das Sechseläuten mit einem Umzug zu feiern hat seinen Ursprung erst viel später, nämlich 1818 mit der Neugründung der Zünfte, als die Zunft zur Meisen (Winzer-Zunft) mit einem Wagen voller Musikanten und mit Reitern auftauchte. Somit war der Anfang für den heutigen Umzug gemacht. Die nächtlichen gegenseitigen Besuche in den Zunftstuben finden seither, zu den Klängen der Musikanten, mit Pechfackeln und schönen Kerzenlaternen statt. Die Tradition, eine Strohpuppe als Symbol für böse Geister und Dämonen in der Fasnachtszeit zu verbrennen, geht auf heidnisches Brauchtum zurück. In Zürich war es später ein Privileg der Knaben ("Buebezügli" 1862) die ihren "Böögg", nach einem lärmigen Umzug durch die Stadt, auf einem Scheiterhaufen verbrannten.
Das Sechseläuten von heute
Normalerweise fällt das Sechseläuten auf das dritte Wochenende im April (Verschiebungen wegen Ostern möglich). Das Fest beginnt am Sonntag mit dem von den Zünften organisierten Kinderumzug, an dem etwa 2000 Kinder in grösstenteils historischen Kostümen teilnehmen. Der Sechseläuten-Montag, der eigentliche Feiertag, gehört ganz den Zünften und und beginnt mit einem festlichen Mittagessen auf den Zunft-stuben der heute 26 Zünfte mit besinnlichen und festlichen Reden. Am Nachmittag findet dann der gemeinsame Zug der Zünfte zur Sechseläutenwiese, dem Richtplatz des "Böögg", statt.
Der Umzug
mit über 3000 Teilnehmern aus den Zünften, dazu 27 Musikkorps, 60 bis 70 Wagen mit über
100 Zugpferden und gegen 400 Reitpferden, hat die doppelte Länge der effektiven
Umzugsroute von 3,5 km. Punkt 18.00 Uhr, mit dem letzten Schlag der Glocke vom St.Peter,
wird der Holzstoss mit dem "Böögg" entzündet. Die Reitergruppen der Zünfte,
die sich in der Zwischenzeit formiert haben, umreiten nun das lichterloh brennende
Wintersymbol, freudig angefeuert von ihren Mitzünftern, die sich rund um die Wiese
aufgestellt haben. Während nun der "Böögg" mit ohrenbetäubendem Krachen,
unter dem Beifallsgeschrei der Zuschauer, den Inhalt seines schönen Wattekörpers dem
Feuer preisgeben und sein Leben aushauchen muss, warten auf der Wiese Tausende auf das
baldige Ende. Gemäss einer Ueberlieferung prophezeit sein möglichst früher Tod nämlich
einen besonders schönen Sommer.
Zürich Tourismus
August 1995
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