Bis zum Eintreten der Katastrophe ihres Untergangs am
15. April 1912, galt die Titanic als absolut unsinkbar. Gleiches gilt für den Stoff ihrer
Geschichte, literarische oder filmische Adaptationen dieses Themas galten immer als Garant
für den Erfolg bei den Rezipienten. Wenn dies auch nicht in jedem Falle eingetreten ist,
für das vorliegende Stück Literatur ist es zutreffend.
"Choral am Ende der Reise", das erfolgreiche Debut des norwegischen Autors Erik
Fosnes Hansen, nähert sich dem Thema auf eine leise, musische Weise, stellt dem Schicksal
des Ozeanriesen gleichsam menschliche Schicksale entgegen, die Lebensläufte einiger
Mitreisender, die in ihrer Biographie bereits einen Schiffbruch erlitten haben, um nun als
Schicksalgemeinschaft sozusagen dem finalen Untergang entgegenfahren.
Hauptpersonen des Buchs sind die fünf Mitglieder des Bordorchesters, von dem es heisst,
es habe bis zum Untergang der Titanic weitergespielt und damit eine vorzeitige Massenpanik
verhindert. Die Geschichte der Reise und der Katastrophe wird jedoch eher am Rande, wenn
auch nicht weniger minuziös und detailliert erzählt, im Mittelpunkt des Romans stehen
jedoch die Lebensgeschichten, die die fünf Protagonisten auf dieses Schiff geführt
haben. Phantasievoll und spannend werden die LeserInnen durch fünf verschiedene Leben
geführt, lernen die Personen kennen und verstehen sozusagen die Lage, die zwangsweise zu
dem Leben geführt hat das die Personen aus ihren unterschiedlichen Gründen an Bord der
Titanic zusammengeführt hat. Vielleicht können sie eben deshalb so gelassen bis zum
endgültigen Untergang des Dampfers weiterspielen, weil sie ihren eigenen Untergang
bereits hinter sich haben.
Die Lektüre bleibt auf jeden Fall über alle 500 Seiten fesselnd und bietet sich schon
allein daher für die noch vor uns liegenden kalten Winterabende an. "Choral am Ende
der Reise" ist im Dezember 98 als limitierte Ausgabe im Fischer Taschenbuchverlag
erschienen und kostet CHF 23.--. |

|