Leiche auf Abwegen

 

Schon allein der Titel verrät, dass es in diesem "hard-boiled" Krimi nicht um einen herkömmlich kaltblütigen Vertreter seines Genres handelt, sondern dass die Leserschaft hier vielmehr über alle 270 Seiten auf das Beste unterhalten werden soll. Wer bereits einmal das Vergnügen hatte, Jonathan Latimer und seinen Detektiv William Crane kennenzulernen, weiss worauf sie/er sich freuen kann. Die zahlreichen Detektivgeschichten Latimers entführen uns in das Amerika der dreissiger Jahre, in die Zeit also, in der der Autor selbst, als Reporter beim ´Chicago Herald Examiner´ gewirkt hat.

Seine Fälle löst der Antagonist immer mit viel Glück - er spricht dabei eher von Intuition und Genie -, seinem Partner Doc Williams und jeder Menge Alkohol, dessen hohe Dosen so manchen Geistesblitz verursachen. Im vorliegenden Buch erleben wir den Diebstahl einer vorgeblich durch Selbstmord aus dieser Welt geschiedenen Frauenleiche, die praktisch unter den Augen der Öffentlichkeit aus dem Leichenschauhaus entwendet wird, was wiederum das Ende des wachhabenden Leichenbeschauers mit sich bringt. Crane, der zugegen ist, weil er einer Vermisstenanzeige nachspürt, gerät sogleich bei den örtlichen Polizeibehörden und zwei rivalisierenden Ganstergruppen in Verdacht der Täterschaft und muss nun zwischen allen Fronten die Wahrheit ans Licht bringen. Hier steht für die Leser nun der Spassfaktor im Vordergrund: cool wie sein späterer Nachfolger Philip Marlowe, aber mit sehr viel Selbstironie und immer auf dem Boden seiner menschlichen Grenzen geht William Crane nun seinen turbulenten und mit Umwegen gespickten Weg zum Ziel, das, wie übrigens immer in Latimers Romanen, für eine Überraschung gut ist und sogleich Appetit auf ein weiteres Exemplar solch angenehmer Zerstreuung macht.

´Leiche auf Abwegen´ ist im Diogenes Verlag erschienen.

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  Choral am Ende der Reise

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Leiche auf Abwegen

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